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Ferenc Jadi

A few drops of belladonna on the tip of the tongue, a few drops of atropine of the nightshade family, and eyes are in amazement, pupils widen, the face glances rapt and the mouth longs, filled with lack and thirst.

Bellus means beau means beauty: that is, beautiful. Beauty terminates the moment of surrender, of giving, of a presence. An unexpected and undetermined bonus admires the receiving one indifferently, and beatus is the lucky happy one.

“Ave Maria (beata), gloria tibi Domine” — said the Angel of Annunciation to the “Virgin Beauty.” As is generally known, her eyes widened and she indeed got hot. Receiving the Beautiful and the Good happens only by chance. One realizes the unexpected at the end of circling the all-possible, while waiting for the end of hopelessness. The providence of form brings traits together by exposing chance as almost handsome, and it pleases.

Only what is liked is beauty, beautiful in and out of itself, an event of presence and of pastime/diversion, the uniqueness of giving without numerics and acceptance without blame.

 

Die Krise des Schönen

Das Schöne ist einer der traditionsreichsten Begriffe der Ideengeschichte, ein Grundbegriff der Ästhetik. Mit dem Guten und Angenehmen ist es ein positiv besetzter eigentlicher und ewiger Wert im Wertfeld der Wertempfindung. Die Konstatierung der Schönheit ist eine elementare, selbstnahe Empfindung ohne Reiz, vorausgesetzt das feststellende Selbst (die Selbstheit einer Identität) ist integer und unmittelbar auf die Sache bezogen, je nach seiner eigenen Bildungsstufe im Selbstbezug bereit zu urteilen.

Die Schönheit ist eine Erscheinungssphäre, der man als Ausdruck der Hypostase einer eigenen Bewegtheit, die in sich ihre Ruhe findet, begegnet. Markiert wird sie mit den elementaren Signalaffekten von Scham, Abscheu und Ekel und betont wird das Schöne in dem Spektrum zwischen Wohlgefallen und Anästhesie. Doch als Gehabe wird es vom Ich durch die Sinne reizende Qualitäten eines Gegenstandes, eines Lebewesens oder einer Person als eine Auszeichnung wahrgenommen. Anerkannt wird es in diesem Fall als eine Eigenschaft mit Merkmalen, geschätzt als ein relativierbares oder verderbliches Gut. Im Gegensatz dazu erscheint einem das Schöne auf der Selbstebene als Seinsvalenz der Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit eines Wahrseins, mit wirklichkeitskonstituierender Potenz, als ein Geschenk oder eine Gnade für sich und für die anderen, welches sich, als das für sich Bildschöne in sich zeigt.

Platon verband mit der Liebe zur Schönheit und mit dem Anblick die universellen und das Empfinden der Ganzheit erfüllenden ewigen Ordnungen, welche die Mannigfaltigkeit der Regeln und Gesetze jenseits der Unmöglichkeit durchleuchten. Er zeigte darin eine Chance auf, die bei Platon noch mit einer erotisch gefärbten Lust des „Philos“ einhergeht, wie der in die Selbstvergessenheit geratene Mensch die Idee des Wahren ins Gedächtnis rufen kann und die Grenze seiner Endlichkeit durch diesen Gegenwartsmoment durchschreiten könne. Dieser seinsüberschreitende Moment, verbindet die Zeitlichkeit des Erfahrens der Schönheit mit dem Denkmoment, der einem als gelebtes Denken auch in der Philosophie gewahr werden kann. In diesem Sinne haben wahre Gedanken ihre eigene Schönheit, wie auch gestaltete Ordnungen des Sichtbaren ihre denkerische Dichte und bildliche Komplexität bei aller scheinbaren Einfachheit der Formulierung aufweisen. Demnach besitzt das Kunstschöne eine denkerische Immanenz, eine Seinsdichte mit Intensität, die eine utopische Dimension aufscheinen lässt. In den Werken der Kunst entfalten sich laut Platon Ideen des Schönen und des Wahren, in ihrer Aura scheint eine Welt des unerreichbar fern scheinenden Göttlichen auf. Dies geschieht so, dass das Schöne seine Nähe gewährt, es die ganze Leiblichkeit durchwaltet und alle Poren beseelt. Die Aura sichert dem Schönen die besondere Wirkmacht, wodurch die Schönheit einen unmittelbar angeht und trotzdem einen Bereich jenseits des Menschlichen freihält. Wenn wir von einer atemberaubenden Schönheit reden, weisen wir auf ein Innehalten hin, wo jedwedes Gerede um die Sache des Schönen aufhört und in einem lautlosen inneren Gespräch, die Ansprache des Schönen seine schweigende Antwort oder bejahende Entsprechung findet.

Mit diesem Gedanken über die zeitigende Wirkung des Scheins des Schönen war auch die große Tradition der Schönen Künste verbunden, der die Kunstakademien, Museen und wichtigen zeitgenössischen Ausstellungen einer Epoche noch bis in das 19-te Jahrhundert hinein, bis zu ihrem Absturz in den viel gescholtenen Akademismus und in die Niederungen der Salonkunst huldigten. Es tut nicht Wunder, dass eben die Trennung der technischen und handwerklichen Künste, von den sog. Schönen Künsten, neben der Übertreibung der Scheinhaftigkeit, des phantasmatisch Narrativen bis hin zum Historistischen, das platonische Lemma der Ideenfindung, im Rückschein der Kunst dort in eine Krise kam, wo die Produzierbarkeit des Schönen, die Ausbildbarkeit des reproduzierenden Könnens und die Gesetze der technischen Machbarkeit, sowie die Anspielungen auf die historisierende Narrativität sich mit Nachdruck ins Spiel brachten. Hier wich das Denken einem Ausdenken, einem phantasmatischen Wunschdenken zu Lasten des Erspürens des Ereignishaften des eigenen Ausdrucks. Der Ausdruck speist sich aus den oft bitteren Wahrheiten der eigenen Lebensgeschichte und arbeitet einer Historisierung oder einer genialistischen Ausdrucksgebärde entgegen, indem der Ausdruck auf das Selbst setzt. Dagegen manipuliert das leichte Spiel mit dem Schönen mit den Effekten, die eventuell auf eine sonderbare Materialbehandlung, auf eine gefällige oder extravagante Formgebung oder auf eine eigentümliche oder kontextuell entstellte Versprachlichung des Sujets zurückgehen. Die in dem historischen Bewusstsein durch die Jahrhunderte aufbewahrte gewaltige Wirkmacht des schönen Scheins, nährt eine geheime Hoffnung für alle, man könne mit allerlei Verschönerungstechniken und mit billigen Mitteln der Ausdruckssteigerung, gegebenenfalls mit Nachdruck und Übertreibung, die das Ausgedrückte mit Bedeutungen in der Performativität erzeugen kann, den Ausdrucksvollzug wirkungsmächtiger gestalten und so die Assertivität der Ausdruckshandlung erhöhen. Aber ein forciertes Ausdrucksfeld wie auch das Setzen auf die Bedeutsamkeit der Bedeutungsträger, schwächt immer den Sinn des Ausdrucks und die Kundgabe einer anvisierten Immanenz. Daher ist die Krise des Schönen auch zu einer Krise des Ausdrucks und des Ankündigens und Anmutens in der bildenden Kunst geworden. Der hier waltende Nachahmungstrieb und die Strategie der Mimikry, die in dem Stil auf die Mehrheit setzt, stellt dem Anschein des Wahren mit dem Ähnlichen nach und will aus einer Tarnung oder kalkulierten Verwandlung heraus, überraschen. Dieser Umstand der Reproduktion des Schönen, nährt nicht nur im Alltagsleben sondern auch im Kunstbetrieb den Drang nach Imitation des Naturschönen und des unnachahmlich Originellen, belebt die eifrige Suche nach den Gesetzen, Prototypen und Idolen, die das Schöne mit Sicherheit bestimmen könnten. Dieses Treiben mit dem Ähnlichen brachte schon in der Antike die bildenden Künste in Verruf und führt zu jenen Übertreibungen des Kunstbetriebs bis heute, in der die große Mehrheit der Produzenten einem Stil, einer Mode oder der alles bestimmenden Hervorbringungsmethode eines anderen nachhängt und im Anschein des Originals weitergereichten Nachahmungen nachstellt. Stillschweigend nimmt man in dieser um die Ursprünglichkeit bei der Umformulierung der Schönheit Einfluss und Inspiration in Kauf.

Die einflussreichste Bestimmung der Schönheit stammt bekanntlich von Kant, der das Erkennen der Schönheit mit einem positiven Geschmacksurteil auf dem Feld der Antinomien von Gefallen und Missfallen gleichsetzte und dabei die Wichtigkeit der Interesselosigkeit des, das Schöne empfindenden Subjektes und die Streitbarkeit dieser Urteilsfindung heraushob. Die antinomische Struktur des inneren Wahrnehmungsfeldes beim Erfassen der Konstanz des Schönen setzt voraus, dass dieses Erfassen in Liebe zum Schönen geschieht, womit keineswegs jene erotisch akzentuierte Liebe der Ergriffenheit gemeint ist, die den Interessen einer Befriedigung eines Wunsches huldigt, die das andere oder den anderen als ein begehrtes Objekt ansieht. In beiden Fällen ist die Hinwendung interessengeleitet.

Die Bezeichnung „in Liebe“ meint hier vielmehr eine Anerkennung des Schönen in dem Register des Besonderen, welches das Sein-Zum-Anderen oder das Sein für den Anderen wesentlich überschreitet und somit als eine Kategorie des Stiftens einer existentiellen Relation, eines „Mehr zum Sein“, d. h. eines Transentatitivums darstellt. Diese Logik findet ihre Parallele in Heideggers Auslegung des Kunstwerkes, wonach das Seiende in dem Kunstwerk durch die Realisierung seiender wird, weil ihm im Ganzen „das sich verbergende Sein gelichtet“ wird und „wie Wahrheit west“. Somit verbindet auch Heidegger den Topos des Kunstschönen mit der Wahrheit, mit dem „werkmäßigen Scheinen des Seienden“.

Phänomenologisch betrachtet verbindet sich dieses Moment der Offenbarkeit und Emergenz mit dem Schritt des Geborgensein in dem Ausdruck für eine innere Temperiertheit des emotionalen Zustandes. Eben wegen dieser, die innere Notwendigkeit erkennende, emotionale oder affektive Betroffenheit des Künstlers, während des Hervorbringens des Kunstschönen, geriet die Schönheit in der Moderne in Misskredit. Die heutige Thematisierung der Schönheit bedeutet aber kein Nachleben des alten Begriffs, sondern eher das Aufleben einer immerwährenden Latenz, die in den Künsten kontinuierlich lebendig blieb, auch dann, wenn einzelne Produzenten sie mit Antipoden bekämpften oder sie spektakulär oder theatralisch einem Hohn auslieferten.

Durch die Verwobenheit des Schönen mit dem Ausdruck und mit der Affektivität ist es im Laufe der Kunstentwicklung eben durch seinen pathisch-exaltierenden und ekstatischen Wesenszug zunehmend manipulierbar geworden. So entwickelte sich in der Moderne ein Protestkampf gegen das Schöne, der sich zu einer permanenten Krise der Schönheit in der Kunst unserer Zeit entwickelte. Die Krise der Schönheit zeigt, wie empfindlich und komplex dieser Topos ist, wie schnell das Schöne in einem narzisstischen Zeitalter zum leeren Idol verkommt.

Ricoeur subsummiert die Krise der zeitgenössischen Kunst mit dem Verschwinden der Idee des Schönen und so mit dem Aufkommen von alternativen Ästhetiken, mit dem Niedergang der Idee des Werkes, ein Phänomen, welches das Unvollkommene und das Nicht-Integre und –Authentische, so auch Vervielfältigte ins Spiel brachte, sowie mit dem Verschwinden der Idee des Rahmens. Die schnelle Verbreitung der Reproduktionstechniken und der Multiplikate auf dem Terrain der neuzeitlichen Kunst, insbesondere das Auftreten der Photographie und deren Weiterentwicklungen in der radikalsten Form auf dem Gebiet der analogen Bildgebungstechniken trug zu dieser Krise bei. Reproduktionstechniken operieren schon in der Tierwelt mit dem schönen Aussehen, sie laborieren mit einer ästhetischen Präferenz nach Auffälligkeit und Attraktivität, mit dem Ziel einer Faszination durch das vielversprechende Äußere. In dem durch die Digitalisierung vollzogenen Herstellungsstreik entstand nicht nur eine Krise des Originals, sondern damit verbunden auch eine tiefe Krise des Schönen, da die darin verborgene Provokation der bildlichen Plötzlichkeit sich einer Begrifflichkeit völlig entzieht. Das virtuelle Spiel mit dem Unmöglichen und Undenkbaren macht Sinn jenseits des Sinns möglich und Unbestimmbares bestimmbar. Diese Potenz weckt zwar Interesse, verursacht Perspektivität beim Betrachter, aber ein wahres Wunder, ein morphologisches Umschlagen der Zeitlichkeit erzeugt sie nicht. Das Schöne, das das Schwere in die Leichtigkeit abhebt, die Vielteiligkeit mit innerer Form ordnet, ist fähig, Wunder zu wirken. Als die neuen Medien nach eigenen Projektionsflächen oder –Räumen und Bildträgern, nach intensiven und subtilen Pigmenten usw. Ausschau halten, ist diese Suche auch als eine Suche nach dem Schein des Schönen zu verstehen.

Daher ist es nicht ein verwegener Anachronismus, heute, nach so vielen Gegenpositionen und Alternativen, wie der Ästhetik des Erhabenen, des Hässlichen, des Einfachen in der Moderne, erneut die Fraglichkeit der Schönheit, auch in den neuen Medien einer Prüfung zu unterziehen. Nach der affekthascherischen Ästhetisierung des Schrecklich-Schönen, des roh Herausgewürgten, nach Bad Painting und nach der Emanzipation des Kitsches und den ästhetischen Randbereichen und Parallelwegen, scheint die Zeit gekommen zu sein, sich auf die Immanenz des Schönen zu besinnen und sich an ihm nochmals, auf dem Wege der künstlerischen Realisation mittels klassischen und neuen Medien abzuarbeiten. Es scheint, nach allen ideologischen Wirren der Ismen, nach allen spektakulären Moden und Modernismen um das Neue, hat die Idee oder das innere Bild des Schönen mal schlafend schlummernd, mal im Kokon des Ideals, als ein allzu menschlicher Wert und als eine vorurteilsvoll mit Gefahren beladene Erwartung doch bis heute überlebt und verdient immer wieder in ihrer Stringenz, einen Durchlauf der Nachprüfung ebenso wie das Setzen einer eigenen künstlerischen Position.

Die Benennung dieses Projektes als Browsing Beauty intendiert, dass es im Eingedenk der geschichtlichen Latenz der Schönheit mit Mitteln der zeitgenössischen Medienvielfalt, in der Hoffnung auf eine Erweiterung der Erfahrungsbereiche des Schönen geschieht, wobei die Ausstellung einen Datensatz der Aktualität durchblättert, so dass diese sogar in einem Durchlauf quasi abgegrast wird. In dieser Intention entdeckt man ein vorübergehendes Festhalten an dem Begriff, wie auch den Wunsch die Krise des Schönen in der zeitgenössischen Kunst aktiv zu thematisieren und über die semantische Option der Thematisierung hinauszugehen.

 

 

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Ein paar Tropfen belladonna auf die Zunge, ein paar Tropfen Atropin aus einem Nachtschattengewächs und die Augen staunen, die Pupillenscheiben weiten sich innig, das Gesicht schaut verzückt und der Mund sehnt sich voller Mangel aus Durst.

Bellus besagt beau, besagt beauty, das ist schön. Beauty terminiert den Zeitpunkt einer Übergabe, eines Schenkens, einer Präsenz. Ein bonus per Zufall und ohne Zweck verehrt den Empfänger interessenlos und beatus ist der Beglückte.

Ave Maria (beata), gloria tibi Domine - sagte der Engel der Verkündigung an die "Virgin Beauty". Und sie machte bekanntlich große Augen, es wurde ihr gewiß heiß. Das Schöne und das Gute zu empfangen geht nur per Zufall. Das Ende der Aussichtslosigkeit abwartend fällt einem zum Schluß, am Ende des Kreisens des Allmöglichen, das Unvorhergesehene ein. Die Vorsehung der Form findet die Züge zusammen, indem sie den Zufall fast ansehnlich zeigt und es gefällt.

Nur was gefällt, ist beauty, von sich aus schön, ein Ereignis der Präsenz und Kurzweil, die Einmaligkeit der Angabe ohne Ziffern und Annahme ohne Schuld.

Ferenc Jadi
Berlin, Germany